Mag.a Beate Hartinger-Klein2018-12-20T16:19:18+00:00
Hundert Jahre Sozialministerium

Sehr geehrter Herr Vizekanzler, Geschätzte Mitglieder und frühere Mitglieder der Bundesregierung, verehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Hauses, liebe Festgäste, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Es freut mich ganz besonders, dass Sie heute so zahlreich unserer Einladung gefolgt sind, um gemeinsam „100 Jahre Sozialministerium“ zu feiern.

Im Jahre 1917 sollte die Schaffung eines „Ministeriums für soziale Fürsorge“ verwirklicht werden. Kurze Zeit später folgte ein „Ministerium für Volksgesundheit“, das erste seiner Art in Europa.

Gegen Ende des ersten Weltkrieges, am 30. Oktober 1918, schlug dann die eigentliche Geburtsstunde des Sozialministeriums, denn es galt, die unzähligen verwundeten Soldaten zu versorgen, der Arbeitslosigkeit, der Arbeitsunfähigkeit sowie dem Hunger zu begegnen. Mit Beschluss der Provisorischen Nationalversammlung wurde das „Staatsamt für soziale Fürsorge und Volksgesundheit“ aus der Taufe gehoben.

Der erste „Staatssekretär“ war der Gewerkschafter Ferdinand Hanusch aus Österreichisch-Schlesien. Auf Ihn geht die „Sozial- und Arbeitslosenversicherung“ zurück, aber auch die Begrenzung der wöchentlichen Arbeitszeit für Frauen und Jugendliche und die Schaffung des Urlaubsanspruches für Arbeiter.

Auch die erste weibliche Bundesministerin kam aus unserem Haus, nämlich Grete Rehorn, nach der nun auch einer der Veranstaltungssäle benannt wurde. Sie war eine ehemalige Textilarbeiterin, Kriegswitwe, Gewerkschaftssekretärin, Parlamentarierin, jahrzehntelanges Mitglied des Sozialausschusses, eine Wienerin mit Charme, Witz und Schlagfertigkeit, die 1966 dieses wichtige Ressort übernahm. Grete Rehor hat erkannt: „Es ist wichtig und richtig, wenn Frauen auch in höchste Positionen vordringen. Dies entspricht nicht nur der Bevölkerungs- und Beschäftigungsstruktur, sondern auch der Wählerstruktur“. Und so stehe ich heute als fünfte Sozialministerin vor Ihnen.

Mir geht es darum, aus der Vergangenheit zu lernen, in der Gegenwart zu leben und Zukunft zu gestalten. In einer stark globalisierten und schnelllebigen Zeit bleibt ein moderner Sozialstaat die Grundlage der Demokratie. In diesem österreichischen Sozialsystem können wir darauf vertrauen, im Notfall ein gut funktionierendes soziales Sicherheitsnetz vorzufinden. Diese solidarische Hilfestellung ist in den letzten 100 Jahren immer stärker gewachsen und darf auch nicht überbeansprucht werden.

Es ist unsere Aufgabe, diese Werte zu schützen und nachhaltig zu sichern, sodass auch unsere Kinder und Enkelkinder darauf vertrauen können. Wir haben die Verpflichtung, die österreichische Sozialpolitik für unsere gemeinsame Zukunft mit Augenmaß zu erhalten und weiterzuentwickeln. Gerade vor diesem Hintergrund muss die künftige Finanzierbarkeit gesichert und die soziale Treffsicherheit gewährleistet werden.

Unsere sozial- und familienpolitischen Errungenschaften sind von großer Bedeutung und Wichtigkeit. Wir können gemeinsam stolz darauf sein. Der gesamte Erhalt und Ausbau der sozialen Leistungen für unsere Staatsbürgerinnen und Staatsbürger liegen mir persönlich sehr am Herzen. Zu einer nachhaltigen Finanzierbarkeit unseres Sozialsystems trägt jeder Einzelne bei: Solidarität, wechselseitiges Vertrauen und eigene Verantwortung sind dafür grundlegend.

Meines Erachtens sind zwei Faktoren besonders wichtig: Zum einen die Existenzsicherung und zum anderen die Investition in die Zukunft. Es sind mehr Ressourcen für den Bereich Bildung und für den Bereich Gesundheit darüber hinaus auch Anreize zur Verfügung zu stellen! Denn soziale Politik orientiert sich nicht ausschließlich am Versorgungsgrad der jeweiligen Notsituation, sondern auch daran, welche Potenziale zur Weiterentwicklung und Veränderung intensiviert werden.

Wenn es gelingt, die Gesundheit unserer Bürgerinnern und Bürger länger zu erhalten und ein verbessertes Bildungsniveau zu etablieren, dann haben wir in der österreichischen Sozial- und Wirtschaftspolitik – zum Erhalt unseres Wohlstandes – Bedeutendes erreicht.

Zu den Investitionen in die Zukunft gehört auch die Digitalisierung.

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Bereits die industrielle Revolution bewirkte eine tiefgreifende und dauerhafte Umgestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, der Arbeitsbedingungen und der Lebensumstände. Transformationsprozesse gestalten sich nicht zwangsläufig punktuell, sondern sind häufig ein Geschehen, die teilweise erst retrospektiv ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft offenbaren. In vergleichbarer Weise verhält es sich mit der Digitalisierung, also der Umstellung in Kommunikationsprozessen auf binäre Codierungen.

Der Zukunftsforscher Matthias Horx sagt: „Jeder Technologieschub erzeugt eine Rekursion, eine Komplexitäts-Kaskade, die zu gesteigerten Nachfragen und ganz neuen Bedürfnissen führt.“

Das bedeutet also, dass jede neue Technologie immer auch neue Arbeit hervorbringt. Dies manifestiert sich etwa in neuen oder veränderten Berufsbildern oder auch in neuen Lehrberufen. Aber nicht nur Berufsbilder, sondern auch die Formen der Zusammenarbeit ändern sich: Begriffe wie: Portfolio Work, Mobile Work, New Entrepreneurship, Intrapreneurship, Gig-Economy, Co-Working, Platform Work prägen bereits heute die Kommunikation in der Arbeitswelt. Inzwischen sind dies nicht nur Schlagworte, die unsere Arbeitskultur prägen, sondern auch neue Arbeitsformen – entstanden durch Digitalisierung und sozioökonomischen Wandel unserer Gesellschaft.

Dieser gesellschaftliche Wandel wird etwa offensichtlich an den unterschiedlichen Generationen. Strebten beispielsweise die Babyboomer nach Selbsterfüllung und Idealismus, so ist der sog. Generation Y die globale Gesellschaft und die mobile Arbeitswelt mit hohen Freiheitsgraden von besonderer Bedeutung. Omnipräsenz ist hier das Stichwort. Mit Freunden wird via soziale Netze kommuniziert. Ebenso werden Freizeit und damit Work-Life-Balance neu definiert und selbstbewusst eingefordert.

Die aktuell jüngste Generation, nämlich Z, entwickelt wiederum einen anderen, nämlich selektiv-bedarfsorientieren Umgang mit Information. Wir als verantwortungsvolle Gesellschaft sind aufgerufen, diesen Generationen diejenigen Werte zu vermitteln, die Vertrauen, Verantwortung, Gerechtigkeit, Solidarität und Achtsamkeit stärken. 

Wie sich diese Entwicklungen künftig weiter fortsetzen werden, ist heute kaum seriös zu prognostizieren. Vor dem Hintergrund der zurückliegenden 100 Jahre erreichen aktuelle und kommende Ablösezyklen ein atemberaubendes Tempo. Umso entscheidender sind dabei stabile und zeitüberdauernde Werte einer sozialen Solidaritätskultur.

Meine Damen und Herren!

Was aber heute, und in Zukunft, wichtig für uns ist, dass wir alles daran setzen, die in den letzten 100 Jahren erworbenen Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu bewahren und modernen Erfordernissen anzupassen.

Dieser sozialen Verantwortung tragen wir dadurch Rechnung, dass wir den Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Welt der Digitalisierung höchste Priorität einräumen. Der Mensch soll und muss im Mittelpunkt des politischen Handelns stehen. Durch Bildung und Nutzung sämtlicher arbeitsmarktpolitischer Instrumentarien möchten wir die besten Voraussetzungen schaffen – auch für die nachkommenden Generationen.

Flexibilität und Innovationsdenken sind in einer komplexen, globalisierten und wettbewerbsorientierten Wirtschaftswelt längst Voraussetzungen für nachhaltigen Erfolg. Wirtschaftsorientierung ist aber kein Selbstzweck, sondern Bedingung für Wohl und Wohlstand des Menschen. Insofern muss es letztlich um das Wohl von Menschen gehen, die jedoch nicht immer mit der digitalen Beschleunigung schritthalten können.

Es ist mir ein besonderes Anliegen, mit ihnen gemeinsam die Gestaltung der künftigen Sozialpolitik voranzutreiben – gerade angesichts der Herausforderungen der Digitalisierung. Ich fühle mich weiterhin dem Diktum von Erwin Ringel verpflichtet: „Es geht nicht nebeneinander und schon gar nicht gegeneinander, sondern es geht nur miteinander!“

Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Kommen! Sie alle haben die Sozialpolitik in Österreich geprägt und mitgestaltet. Mein besonderer Dank gilt meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des gesamten Ministeriums: Ohne ihren Einsatz und ihre Kompetenz wäre diese Arbeit für die Österreicherinnen und Österreicher nicht möglich.

Wenn wir Rechtsstaat und Demokratie bewahren wollen, dann müssen wir sozialstaatliche Errungenschaften auch in Zukunft gemeinsam sichern.

 

Glück auf!

Videoaufzeichnung

Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz
Mag.a Beate Hartinger-Klein

5. November 2018

Minister, Staatssekretäre und Unterstaatssekretäre

 

Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz  
Bundesministerin Mag.a Beate Hartinger-Klein 08.01.2018 – dato
Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz  
Bundesministerin Mag.a Beate Hartinger-Klein 18.12.2017 – 08.01.2018
Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz  
Bundesminister Alois Stöger, diplômé 26.01.2016 – 18.12.2017
Bundesminister Rudolf Hundstorfer 01.02.2009 – 26.01.2016
Bundesminister Rudolf Hundstorfer 02.12.2008 – 31.01.2009
Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz  
Bundesminister Dr. Erwin Buchinger 01.03.2007 – 02.12.2008
Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz  
Bundesminister Dr. Erwin Buchinger 11.01.2007 – 28.02.2007
Bundesministerin Ursula Haubner 26.01.2005 – 11.01.2007
Bundesminister Mag. Herbert Haupt 24.10.2000 – 26.01.2005
Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen  
Bundesministerin Dr.in Elisabeth Sickl 04.02.2000 – 24.10.2000
Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales  
Bundesministerin Lore Hostasch 28.01.1997 – 03.02.2000
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (ab 01.04.1987)  
Bundesminister Franz Hums 06.04.1995 – 28.01.1997
Bundesminister Josef Hesoun 17.12.1990 – 06.04.1995
Bundesminister Walter Geppert 10.03.1989 – 17.12.1990
Bundesministerium für soziale Verwaltung  
Bundesminister Alfred Dallinger 09.10.1980 – 23.02.1989
Staatssekretärin Franziska Fast 05.11.1979 – 24.05.1983
Bundesminister Gerhard Weissenberg 01.10.1976 – 01.10.1980
Bundesminister Rudolf Häuser 21.04.1970 – 30.09.1976
Bundesministerin Grete Rehor 19.04.1966 – 21.04.1970
Bundesminister Anton Proksch 23.01.1956 – 19.04.1966
Bundesminister Karl Maisel 20.12.1945 – 23.01.1956
Staatsamt für soziale Verwaltung  
Unterstaatssekretär Alois Weinberger 27.04.1945 – 20.12.1945
Unterstaatssekretär Dr. Franz Dawid 27.04.1945 – 20.12.1945
Staatssekretär Johann Böhm 27.04.1945 – 20.12.1945
Bundesministerium für soziale Verwaltung  
Staatssekretär für die Ang. des gesetzl. Schutzes der Arbeiter und Angestellten  
Adolf Watzek 16.02.1938 – 11.03.1938
Bundesminister Dr. Josef Resch 14.05.1936 – 11.03.1938
Staatssekretär für die Ang. des gesetzl. Schutzes der Arbeiter und Angestellten  
Hans Rott 03.11.1936 – 16.02.1938
Staatssekretär für die Ang. des gesetzl. Schutzes der Arbeiter und Angestellten  
Bundesminister Dr. Josef Dobretsberger 17.10.1935 – 14.05.1936
Theodor Znidaric 17.10.1935 – 14.05.1936
Staatssekretär für die Ang. des gesetzl. Schutzes der Arbeiter und Angestellten  
Johann Grossauer 13.08.1934 – 17.10.1935
Bundesminister Richard Schmitz 21.09.1933 – 16.02.1934
Staatssekretär für Angelegenheiten des Arbeitsdienstes 21.09.1933 – 16.02.1934
Odo Neustädter-Stürmer 21.09.1933 – 16.02.1934
Bundesminister Dr. Robert Kerber 11.03.1933 – 21.09.1933
Staatssekretär für Angelegenheiten des Arbeitsdienstes  
Odo Neustädter-Stürmer 10.05.1933 – 21.09.1933
Bundesminister Dr. Josef Resch 20.06.1931 – 11.03.1933
Mit der vorläufigen Fortführung der Geschäfte betraut  
Bundeskanzler Dr. Otto Ender 15.04.1931 – 20.06.1931
Bundesminister Dr. Josef Resch 04.12.1930 – 15.04.1931
Mit der Leitung betraut  
Vizekanzler Richard Schmitz 30.09.1930 – 04.12.1930
Bundesminister Dr. Theodor Innitzer 26.09.1929 – 30.09.1930
Bundesminister Dr. Josef Resch 20.11.1924 – 26.09.1929
Bundesminister Richard Schmitz 31.05.1922 – 20.11.1924
Bundesminister Dr. Franz Pauer 21.06.1921 – 31.05.1922
Bundesminister Dr. Josef Resch 20.11.1920 – 21.06.1921

Staatsamt für soziale Verwaltung
Vorübergehend mit der Leitung betraut

 
Staatssekretär Eduard Heinl 22.10.1920 – 20.11.1920
Unterstaatssekretär Dr. Josef Resch 07.07.1920 – 20.11.1920
Unterstaatssekretär für Volksgesundheit  
Dr. Julius Tandler 07.07.1920 – 20.11.1920
Staatssekretär Ferdinand Hanusch 07.07.1920 – 22.10.1920
Staatssekretär Ferdinand Hanusch 17.10.1919 – 07.07.1920
Unterstaatssekretär für Volksgesundheit  
Dr. Julius Tandler 17.10.1919 – 07.07.1920
Unterstaatssekretär Dr. Josef Resch 17.10.1919 – 24.06.1920
Unterstaatssekretär für Volksgesundheit  
Dr. Julius Tandler 09.05.1919 – 17.10.1919
Mit der Fortführung der Geschäfte der Volksgesundheit betraut  
Dr. Ignaz Kaup 15.03.1919 – 09.05.1919
Staatssekretär Ferdinand Hanusch 15.03.1919 – 17.10.1919
Unterstaatssekretär Dr. Josef Resch 04.04.1919 – 17.10.1919
Deutschösterreichisches Staatsamt für soziale Fürsorge  
Staatssekretär Dr. Ignaz Kaup 30.10.1918 – 15.03.1919
K.k. Ministerium für soziale Fürsorge  
Minister Dr. Ignaz Seipel 27.10.1918 – 30.10.1918
Minister Dr. Viktor Mataja 22.12.1917 – 27.10.1918
K.k. Ministerium für Volksgesundheit  
Minister Dr. Johann Horbaczewski 30.07.1918 – 30.10.1918
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